ost-west-kontakt.de, 11.Mai 2010
Neun von zehn Investoren würden es wieder tun
Von Markus Halt
Die ausländischen Investoren in der Slowakei blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Laut einer Stimmungsumfrage unter 114 deutschen, österreichischen und französischen Firmen sehen die Teilnehmer die slowakische Wirtschaft auf dem richtigen Weg. 92 Prozent der befragten Unternehmen würden ihre Investition unter den heutigen Bedingungen wiederholen. Doch der Standort ist nicht frei von Problemen.
Regelmäßig zu Jahresbeginn fragt die Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer (AHK Slowakei) deutsche Investoren in der Slowakei nach ihren konjunkturellen Erwartungen sowie nach ihrer Bewertung des Standortes. Seit 2009 beteiligen sich auch österreichische und französische Investoren an der Umfrage. Nachdem im Vorjahr das Meinungsbild noch überwiegend von Pessimismus gezeichnet war, macht sich in diesem Jahr verhaltener Optimismus breit. Zwar betrachten lediglich sechs Prozent der befragten Unternehmen die gegenwärtige Wirtschaftslage als gut, jedoch gehen 35 Prozent von einer Verbesserung im weiteren Jahresverlauf aus.
Die Erwartungen an das eigene Unternehmen fallen zuversichtlicher aus. So rechnen über 40 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einer besseren Geschäftslage. Vier von fünf Firmen wollen daher auf Entlassungen in diesem Jahr verzichten. Jedes vierte Unternehmen möchte den Personalbestand sogar ausweiten. Selbiges gilt für die Investitionsausgaben, die mehrheitlich auf oder über dem Niveau des Vorjahres liegen sollen. „Bei uns und in der Branche zeichnet sich ein ähnliches Bild ab“, kommentiert Wolfgang Karner, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Küster bei Banská Bystrica, die Ergebnisse. Der Anstieg sei aber noch zaghaft, Skepsis bestehe vor allem bei der Nachhaltigkeit. „Die Konjunktur ist kein Elektromotor, der nach Anlassen sofort auf vollen Touren fährt, das braucht seine Zeit.“
„Flat tax“ verliert an Wirkung
Den Standort Slowakei zeichnen nach Meinung der befragten Investoren vor allem die Mitgliedschaft in der EU, die leistungsbereiten Arbeitskräfte zu relativ moderaten Kosten sowie das kalkulierbare Steuersystem aus. Der Euro und die Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer wirkten im Krisenjahr 2009 als stabilisierende Faktoren.
Doch die „flat tax“ besitzt längst nicht mehr die Zugkraft von einst; inzwischen sind die Unternehmen mit der Steuerbelastung weniger zufrieden als noch in den Vorjahren. Zum einen, weil andere Länder in der Region, wie etwa Bulgarien oder Rumänien, Investoren mittlerweile mit einem niedrigeren Einheitssteuersatz als den slowakischen 19 Prozent locken.
Zum anderen, weil aufgrund der gänzlichen oder nur teilweisen steuerlichen Nichtabzugsfähigkeit von Rückstellungen und Wertberichtigungen die effektive Steuerlast höher als in Deutschland oder Österreich ausfallen kann. Dennoch: Im Vergleich mit anderen Staaten in der Region bewerten die Umfrageteilnehmer die Slowakei als den attraktivsten Investitionsstandort. So würde die überwältigende Mehrheit der ausländischen Unternehmen (92 Prozent) ihre Investition in der Slowakei noch einmal tätigen.
Infrastruktur mit Defiziten
Bemängelt wird die Infrastruktur. Es hapert an Umfang und Qualität sowohl im Bereich des Straßennetzes als auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies gilt insbesondere für die Mittel- und Ostslowakei, wo das Autobahnnetz noch sehr lückenhaft ist. Die Regierung verspricht eine Autobahnverbindung zwischen Bratislava und Kosice bis Ende 2012. Bereits jetzt ist jedoch absehbar, dass einige Abschnitte nicht vor 2013 fertig sein werden. „Die Infrastruktur ist ein sehr wichtiges Kriterium für einen Investor, denn sie ist der erste Eindruck, den ein Standort hinterlässt“, gibt Karner zu bedenken.
Der Arbeitsmarkt könnte erneut zum Problem werden
Trotz der jüngsten Wirtschaftskrise zeichnet sich ein neues Defizit im Facharbeiterbereich ab. Sollte sich die einsetzende Erholung nachhaltig fortsetzen, könnte erneut ein Wettbewerb um Fachkräfte entflammen. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Lubomir Jahnatek wollen sich in den kommenden beiden Jahren über 50 ausländische Investoren in der Slowakei engagieren. Der voraussichtliche Investitionszufluss von einer Milliarde Euro würde für weiteren Druck auf die Nachfrage am Arbeitsmarkt sorgen.
Details zur Konjunkturumfrage der AHK Slowakei sind unter www.dsihk.sk/infos-slowakei/wirtschaft-slowakei/konjunkturumfrage abrufbar.